Meine Kunstinstallation „Die Zerstörung des Knotens“ oder „Das Knotenkabinett“

Bevor du hineingehst, benutz dein Smartphone oder Tablet und drücke hier auf play.

Meine Licht- und Audioinstallation zum Sommersemester 2019 an der Universität Augsburg / Foto von Nikolaus Fischer

Etwa 15 Millionen Klicks hat das einstündige Video „Die Zerstörung der CDU“ auf YouTube. Es wurde kurz vor der Europawahl vom YouTuber REZO hochgeladen (https://www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ&t=4s). Darin spricht er das Versagen der großen Volksparteien an: in verschiedenen Themen wie Klimapolitik oder auch Menschenrecht. Experten glauben, dass REZO mitverantwortlich ist für das schlechte Wahlergebnis von CDU und SPD. 

Die CDU wollte nach langem Hin und Her erst ein Antwortvideo drehen – zog dieses aber zurück und veröffentlichte stattdessen ein neunseitiges Dokument, das REZOS Argumente widerlegte sollte. (Es im Übrigen aber nicht tut, sondern nur aus Anschuldigungen gegen REZO und Wahlslogans besteht, siehe: https://www.cdu.de/artikel/offene-antwort-rezo-wie-wir-die-sache-sehen). Nachdem ein erneutes Video mit der Mitarbeit von über 90 YouTubern hochgeladen wurde, die sich hinter REZO stellten und ebenfalls baten, nicht die CDU, SPD und AFD zu wählen, hat sich die Bundesvorsitzende der CDU Annegret Kramp-Karrenbauer doch persönlich zu Wort gemeldet. 

Zitat: „Als die Nachricht kam, dass sich eine ganze Reihe von YouTubern zusammengeschlossen hat, um einen Wahlaufruf gegen CDU und SPD zu starten, hab ich mich gefragt: was wäre eigentlich in diesem Land los, wenn eine Reihe von etwa 70 Zeitungsredaktionen zwei Tage vor der Wahl erklärt hätten: wir machen einen gemeinsamen Aufruf gegen CDU und SPD. Was sind eigentlich Regeln aus dem analogen Bereich? Und welche Regeln gelten eigentlich digitalen Bereich. Das ist eine grundlegende Frage über das Thema Meinungsmache, über die wir uns unterhalten werden. In der gesamten medienpolitischen und demokratietheoretischen Diskussion wird das in der nächsten Zeit eine Rolle spielen.“ 


Diese Aussage ging im Netz viral als „Zensurstatement von AKK“ und hat mich persönlich dazu veranlasst, ein schon vorhandenes Audioprojekt nochmal zu bearbeiten und sie letztendlich auch in diese Installation zu integrieren. Wenn Annegret Kramp-Karrenbauer, Schauspieler Wahlaufrufe machen lässt, es zivilen Bürgern aber im Netz verbieten will, ihre Meinung kundzutun, ist das nicht die Verhinderung von Meinungsmache sondern schlichtweg Zensur, die leider sehr nahe Zukunft werden kann. Es ist nötig, die verschiedenen Fäden der Politik genauer zu beleuchten – quasi „Licht ins Dunkel“ zu bringen. In meiner Blackbox ist eine Soundbox installiert, die – wenn man auf Play drückt – Statements von Politikern der CDU/CSU, SPD und AFD abspielt. Ich will mit den einzelnen Aussagen, die ich hier als auditiver Knoten zusammengeschnitten habe, das Paradoxon aufzeigen, dass sich die Politiker mit gegensätzlichen Aussagen, Unwahrheiten und grenzwertigen Behauptungen gebaut haben.  

Das so berühmte Video von REZO hat etwas Licht ins Dunkeln gebracht und wir sehen den gewaltigen Konflikt, den wir nun lösen müssen, um Dinge wie den Klimawandel, Kohleabbau, oder die amerikanische Dronenbasis in Deutschland zu stoppen. 

Dieser Knoten wird nicht leicht zu lösen sein und wir haben leider kein magisches Schwert, wie es bei der Sage vom gordischen Knoten eingesetzt wurde. Auch in vielen anderen Sagen und Märchen war ein Knoten schon immer ein Sinnbild von einem Problem: nur schwer und mit viel Geduld zu lösen. Man muss die Fäden selbst in die Hand nehmen, um ihn zu lösen. Meine mobile Blackbox wirkt in ihrer Anmutung skurril – wie ein Gruselkabinett. Das Bundeskabinett, das in den letzten Monaten Worte verloren hat, wie Tötungsdronen oder Zensur, wirkt genauso unwirklich und skurril auf mich. Der Betrachter kann in dieses Kabinett eintreten und findet sich erstmal in Dunkelheit wieder.

Er selbst kann einzelne Knöpfe drücken, um Licht ins Dunkel zu bringen und verschiedene Stränge zu beleuchten. Die materiellen Stränge in meiner Blackbox verlaufen – ähnlich wie in einem Rechenzentrum, das Grundlage für unser Internet ist – nebeneinander her, trennen sich, finden wieder zusammen und laufen in einem großen Geflecht zusammen. Welcher Strang belichtet wird und welcher nicht, kann der Betrachter selbst mit einem Klick entscheiden. Auch in unserem Alltag hat ein Klick heutzutage viel Macht: zum Beispiel schon durch einen „Daumen nach oben“ auf ein Video oder ein Kommentar in YouTube oder Facebook. Und eigentlich ist das die direkteste Form von Demokratie, die es je gab. Während mein Betrachter die einzelnen Stränge beleuchtet, wird er den Knoten entdecken, der sich auftut. In grellen, schrillen Farben.

Wie im Alltag auch, kann mein Betrachter den Knoten durch seine Handlung verändern. Hier ist es ein Klick oder ein ziehen am Draht, im Alltag ist es ein Kreuzchen auf dem Wahlzettel oder Schritte in einer Demo.

Meine Installation muss aber nicht politisch gesehen werden. Knoten findet jeder auch bei sich selber: sie können Ängste, Zweifel oder Schuldgefühle sein. Auch solche Knoten müssen erst ans Licht kommen, um sie bearbeiten und lösen zu können. Und letztendlich liegt es immer an einem selbst, ob und wann man es zulässt. 

Innen im Knotenkabinett

Wer meine Arbeit online teilen möchte, sei hiermit eingeladen #knotenkabinett zu benutzen 🙂

Wenn du mehr über mich und meine künstlerische Arbeit wissen möchtest, schau gerne auf meiner Instagram-Seite vorbei!